Startseite
Aktuelles
Wie alles begann ...
Historie
Kartenservice
Kontakt
Wir über uns
Links

Wie alles begann ...

Eines Tages - es kann 1986 oder 1987 gewesen sein - wurde bei einer Sitzung des Sachbereiches 'Soziales' von Sophie Gebert angeregt, in der Pfarrei St. Quirin in Aubing eine Theatergruppe ins Leben zu rufen. Denn warum sollte nicht im Leben der Pfarrei möglich sein, was bei privaten Anlässen üblich war: Feierlichkeiten wie z.B. Geburtstage mit Sketchen aufzulockern. Warum sollte sich nicht in der Pfarrei eine Gruppe von Leuten finden, die Lust darauf hätten, regelmäßig Theater zu spielen? Die damaligen Verantwortlichen im Sachbereich 'Soziales', Barbara Ney und Georg Peter, waren von diesem Vorschlag begeistert und es wurde überlegt, wie man eine Theatergruppe ins Leben rufen könnte.

Wie es der Zufall wollte, führte der Sachbereich 'Ehe und Familie' 1988 ein Eheseminar durch, das an drei Abenden jeweils mit einem Sketch, gespielt von Zuhörern, eingeleitet wurde. Dabei fiel das Talent von Elisabeth Trentin auf, und so wurde sie kurzerhand von Barbara Ney angesprochen, ob sie nicht die Gründung einer Theatergruppe in die Hand nehmen wolle. Elisabeth Trentin sagte unter der Bedingung zu, es zusammen mit ihrer Nachbarin Erni Müller angehen zu dürfen, die sich um Requisite, Maske und Kostüme kümmern wollte - und so war die Theatergruppe aus der Taufe gehoben.

Aber ganz so reibungslos, wie es sich anhört, war es dann doch wieder nicht. Einerseits fand die Idee einer Theatergruppe viele prominente Befürworter - neben Barbara Ney und Georg Peter setzte sich vor allem Alfons Halmheu, der damalige Kirchenpfleger, vehement für die Sache ein, indem er auf die bereits etablierte und mit großem Erfolg agierende Theatergruppe in der Nachbarpfarrei Leiden Christi in Obermenzing verwies. Doch die Aubinger wären nicht die Aubinger, wenn sie an solchen Neuerungsbestrebungen nicht etwas auszusetzen hätten. Vielleicht befürchteten die eingesessenen Altaubinger, von der Überzahl an neu angesiedelten Familien aus der Gegend Aubing-Ost überrollt zu werden - jedenfalls gab es lauten Widerspruch, und es sollte noch einige Jahre dauern, bis die letzten Kritiker durch die Erfolge der jungen Theatergruppe überzeugt waren. Doch das Dreiergespann Sophie Gebert, Barbara Ney und Georg Peter wurde nicht müde, die Gemüter zu beruhigen und schließlich gelang es ihnen, die Gründung einer Theatergruppe pfarreiintern durchzusetzen.

Erni Müller schrieb in der ersten Einladung zur konstituierenden Zusammenkunft der Theatergruppe, die am 02.05.1988 stattfand: "Tragödien müssen es ja nicht gerade sein, was wir spielen wollen" und es meldeten sich für "Bauerntheater - Kindertheater - Komödien - Lustspiele" nur zwei Interessentinnen: Marita Martin und Hilde Zehetbauer. Auf unermüdliches Nachfragen von Elisabeth Trentin folgten einer zweiten Einladung als weitere Interessenten Barbara Bschorer, Sophie Gebert, Ursula Geier, Peter John, Gerhard Liebl, Else Schöffel, Alex und Hubert Spieler, Brigitta Stadler und Wolfgang Rieß.

Die Treffen der Gruppe mit Lockerungsübungen und textgerechtem Handeln wurden zum Teil in den Privatwohnungen der einzelnen Mitglieder abgehalten. Elisabeth Trentin als Regisseurin und Erni Müller als Ausstatterin suchten als erstes Stück 'Einmal Himmel und zurück oder: Dem Benzenstadler sein verlängertes Leben' von Willi Simander aus. Es geht darin um Benzenstadler, einen ziemlich unangenehmen Zeitgenossen, der nach einem tödlichen Motorradunfall mit seinem Schutzengel an die Himmelspforte klopft. Doch durch eine Störung in der himmlischen EDV muß er im Vorraum vor der Himmelspforte länger als üblich warten. Er erliegt den Einflüsterungen des Höllenpostens und schlüpft unbemerkt in den Himmel. Dort nimmt er zeitweise die Rolle des Herrn wahr und spricht Urteile über frisch eingetroffene Seelen. Doch nach einigen sonstigen Stückchen und nach Behebung der himmlischen EDV -Störung stellt man fest, daß Benzenstadler überhaupt noch nicht zum Sterben dran gewesen wäre. Geläutert kehrt er wieder zur Erde zurück und sorgt als Gemeinderat in Obereberfing dafür, daß in der Gemeinde die EDV eingeführt wird, der er soviel zu verdanken hat. Das Stück besitzt eine Menge bayerische Schlitzohrigkeit und viele Anspielungen auf die damalige Gegenwart. Sophie Gebert, die die Rolle der Hl. Afra übernommen hatte, wollte auch Aubinger Interna bei der Ausgestaltung ihrer Rolle verarbeiten.

Die Proben zum Stück begannen etwa Mitte Juni 1988 unter der Regie von Elisabeth Trentin und zogen sich etwa ein Jahr hin bis zu jener schicksalhaften Vollversammlung am 28.06.1989 im Hause Gebert, in der Elisabeth Trentin die Regie aus beruflichen Gründen niederlegte. Das hätte das Aus bedeutet, wäre nicht zufällig Hermann Müller anwesend gewesen, der eine Tonaufnahme für die geplante Theaterprobe durchführen sollte. Er war überzeugt, daß es viel zu schade sei, das begonnene Theatervorhaben nicht fortzuführen. Als ihn die anwesenden Theatermitglieder fragten, ob er die Regie übernehmen möchte, sagte er nach einer Bedenkzeit zu.

Am 16.08.1989 verstarb Sophie Gebert, die eigentliche Initiatorin der Theatergruppe. Es war ein herber Verlust.

Die Proben gingen nun im Pfarrzentrum weiter und der Bühnenentwurf nahm Gestalt an. Für alle Theatergruppenmitglieder war es ein großes Wagnis, das wurde immer klarer, besonders für den Regisseur, der diese Aufgabe das erste Mal in seinem Leben wahrnahm, wie übrigens auch seine Vorgängerin Elisabeth Trentin. Hinzu kamen Probleme mit der Besetzung der Rollen. Einige der Mitglieder verließen die Gruppe, meist aus beruflichen Gründen, und so war es überlebensnotwendig, neue Mitglieder zu werben, was nur mit Mühe gelang. Denn es hatte sich herumgesprochen, daß in den Proben hart gearbeitet wurde. Die Anwesenheitslisten für die Proben existieren noch heute. Absenzen wurden nur bei triftigen Gründen akzeptiert. Gelegentlich wurde der Regisseur als 'Sklaventreiber' bezeichnet.

Je näher der seit einem Jahr festgelegte Premierentermin rückte, umso mehr erhöhte sich der Druck auf alle Beteiligten. Ganz selbstverständliche Schwierigkeiten, allen voran die Textunsicherheit der meisten Akteure, drohten übermächtig wie dunkle Wolken, hatte doch niemand in der Truppe Erfahrung mit einer leibhaftigen Aufführung und mit der Einschätzung der zu erwartenden Publikumsreaktionen. Würde das Stück beim Publikum überhaupt ankommen? Würden die schauspielerischen Leistungen und die Regiearbeit akzeptiert werden? In diese hektische Phase platzte wie eine Bombe die Ankündigung eines Mitspielers mit einer tragenden Rolle, er stehe ab sofort nicht mehr zur Verfügung. Das war das Aus für das Stück 'Benzenstadler'. Die Aufführungstermine wurden abgesagt, begleitet von der Häme der Skeptiker, die der Theatergruppe das Erreichen ihres selbstgesteckten Zieles von vorneherein nie zugetraut hatten.

Da der Druck des näher rückenden Premierentermins plötzlich abgefallen war, nahmen einige Mitglieder die Gelegenheit wahr, die Gruppe zu verlassen. Doch statt zu resignieren, entwickelte sich ein bisher nicht gekanntes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den verbleibenden Gruppenmitgliedern. Auch stießen neue Mitglieder zur Gruppe, so daß schnell feststand: Ein neues Stück muß her, und im nächsten Jahr wird Premiere sein!

Nun ging die gezielte Suche nach einem passenden Stück los, das auch bald gefunden wurde: Es war die Kriminalkomödie 'Der schwarze Koffer', ein Stück, das mit den Mitgliedern der Gruppe problemlos besetzt werden konnte, und so schaffte die Theatergruppe den so lange ersehnten Durchbruch, der von vielen nicht für möglich gehalten worden war: Am 04.05.1991 fand unter großem Beifall die erste Premiere in der Geschichte der Theatergruppe St. Ouirin im voll besetzten Pfarrsaal statt. Der erste Schritt war gelungen.

 

Timmy Ney, Hermann Müller

 


 

Januar 2016


Hermann Müller legt Regie nieder

Bedauerlicherweise hat Hermann Müller mit dem Ende der Theatersaison 2015 seine Tätigkeit als Regisseur aus persönlichen Gründen beendet. Damit geht eine Ära zu Ende, denn seit 1989 war er mit zwei kurzen Unterbrechungen der Spielleiter, der mit treffsicherem Instinkt 23 attraktive Stücke auswählte und mit seiner Gruppe in ungezählten Proben einstudierte, bis sie so präsentiert werden konnten, wie es seinen strengen Maßstäben entsprach. Für 2010, das Jubiläumsjahr der ersten urkundlichen Erwähnung Aubings 1000 Jahre zuvor, schrieb er sogar selbst den Text der Komödie "Der Goldmacher von Aubing" über den betrogenen Betrüger Franz Tausend.

Die Theatergruppe dankt ihrem langjährigen Spiritus Rector sehr herzlich für sein großes Engagement.

to Top of Page